Frauen in der PR – Zahlreich vertreten und doch unterrepräsentiert – uniClever.de
Karriere Marketing und PR

Frauen in der PR – Zahlreich vertreten und doch unterrepräsentiert

Frauen in der PR – Zahlreich vertreten und doch unterrepräsentiert

 

Seit Jahren ist der Frauenanteil in der PR-Branche überdurchschnittlich hoch. Insgesamt besteht der Sektor zu zwei Dritteln aus weiblichen Mitarbeitenden – In der Literatur wird sogar schon von „Feminisierung der PR“ gesprochen. Auch der Begriff Gender Switch, also der Moment, zu dem erstmals mehr Frauen als Männer in einem Berufsfeld tätig sind, erscheint in diesem Zusammenhang, besonders häufig im Agentursektor und unter selbständigen PR-Beratenden.Vor den Führungsetagen macht dieser Trend jedoch Halt: Hier dominieren die männlichen Kollegen. Je höher der Blick auf die Karriereleiter, desto weniger Frauen sind zu sehen. Besonders die Leitung der Unternehmenskommunikation oder die Vorstands- und Geschäftsführungsposten in den Agenturen sind zumeist von Männern bekleidete Stellen.

Die Chefetage ist immer noch Männersache

Dies zeigt sich auch im Ergebnis des GWPR Annual Index1: Drei von fünf Befragten gaben an, dass die PR-Chefetage ihres Unternehmens mehrheitlich männlich besetzt ist. Weitere 16 Prozent stellten sogar fest, dass das gesamte Führungsteam aus Männern bestehe. Erhoben wurde der GWPR Annual Index 2019 erstmals von der Initiative Global Women in PR in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Opinium. Aber woran liegt das? Auch dafür hält die Studie Antworten bereit, indem sie nach Faktoren sucht, die Frauen bei ihrem Aufstieg besonders behindern. Für 80 Prozent der Befragten stellt die Kinderbetreuung und andere Betreuungsaufgaben die größte Hürde dar. Konkret gaben 35 Prozent an, dass diese Aufgaben ihre eigene Karriere beeinträchtigt hätten. Für viele der Befragten hemmt Corona zusätzlich die Entwicklung hin zu mehr Gleichberechtigung. Mehr als die Hälfte ist der Ansicht, dass es länger als bisher angenommen dauern wird, das Vorankommen von Frauen in Führungspositionen zu beschleunigen.

 

 

 

Gleiche Arbeit – Ungleiches Gehalt 

Neben der zahlenmäßigen Unterlegenheit finden sich auch auf den Gehaltsabrechnungen Differenzen zwischen den Geschlechtern. Die sogenannte Gender Pay Gap ist im PR-Sektor besonders ausgeprägt. Das bedeutet, dass die Differenz des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes von Frauen und Männern sehr hoch ist. So ermittelte der StepStone Gehaltsreport 2020,dass Frauen im Bereich Marketing und PR durchschnittlich 53.794 Euro verdienen. Das sind 13.193 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen.  Ein Jahr zuvor betrug diese Differenz noch 12.650 Euro, was auf eine kontinuierliche Vergrößerung der Gender Pay Gap spricht. 

Familienunfreundliche Arbeitsmodelle machen es Frauen schwer 

Wie diese Ergebnisse vermuten lassen, begegnen Frauen in der PR-Branche geschlechtsspezifischen Problemen, die ihr Vorankommen im Berufsleben erschweren. Vor allem der Agentur-Sektor ist mit familienunfreundlichen Arbeitszeiten und unflexiblen Arbeitsmodellen an dieser Stelle zu nennen. Dies stellt Frauen in oftmals vor die Wahl: Familie oder Beruf. Teilzeitmodelle oder Ähnliches werden häufig von den Vorgesetzen als nicht praktikabel abgetan oder von den Arbeitnehmenden gar nicht erst in Betracht gezogen. Darüber hinaus belegen Studien, dass Führungskräfte dazu tendieren, Kandidaten einzustellen, die ihnen selbst ähneln. Männer stellen also bevorzugt Männer ein. Sicher gilt dies für viele Branchen, aber eben auch für die PR. Ebenso werden Führungspositionen auch heute noch oft mit vermeintlich männlichen Eigenschaften, wie Hartnäckigkeit, Durchsetzungsvermögen oder Disziplin, assoziiert. Kommunikative Fähigkeiten hingegen, die im Tagesgeschäft der Public Relations besonders wichtig sind, werden traditionell eher Frauen zugeschrieben. Diese Sicht der Dinge scheint auch in den Köpfen des 21. Jahrhunderts fest verwurzelt und wirkt gemeinsam mit den anderen genannten Faktoren einer Wende hin zu mehr weiblichen Führungskräften entgegen. 

Positive Beispiele machen Hoffnung für die Zukunft 

Doch es gibt auch Positivbeispiele. An dieser Stelle zu nennen ist beispielsweise die Agenturgruppe Ketchum Pleon Deutschland mit ihrer CEO Victoria Wagner. Als eine der größten deutschen Agenturen hat die Gruppe hat einen Gesamt Frauenanteil von 78 Prozent. Besonders dabei ist, dass sowohl das Leadershipteam der Gruppe als auch das Executive Board der Gruppe zu rund 80 Prozent mit Frauen besetzt ist. Victoria Wagner empfiehlt Frauen in einem Interview mit dem PR Career Center: „Meiner Meinung nach sollten Frauen mutiger sein, ihren Fähigkeiten vertrauen und keine geringeren Forderungen stellen als Männer“.3

 

Global Women in PR – Eine Organisation von Frauen für Frauen 

 

Um speziell Frauen in ihrem Berufsweg zu unterstützen gibt es verschiedene Initiative. Eine davon ist die Global Women in PR. Die GWPR ist eine Mitgliedsorganisation für Frauen in leitenden PR-Positionen, die in Unternehmen, Agenturen, Beratungsgesellschaften, Verbänden, bei Branchen-Dienstleistern oder selbständig arbeiten. Übergeordnetes Ziel ist es dabei, Frauen zu ermutigen und sie dabei zu unterstützen, Führung in Kommunikationsberufen zu übernehmen. Um dieses Ziel zu erreichen, finden regelmäßige Treffen, Veranstaltungen und darüber hinaus Möglichkeiten für einen persönlichen Austausch, firmenübergreifendes Sparring und Mentoring statt. Mitglied können Frauen in Kommunikationsberufen ab zehn Jahren Berufserfahrung werden, beziehungsweise ab fünf Jahren Berufserfahrung für assoziierte Mitglieder. 

 

 

 

Ein langer Weg bis zur Gleichberechtigung 

Bis zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern in dem Berufsfeld ist noch ein weiter Weg zu bestreiten. Angegangen werden muss das Problem dabei von zwei Seiten. Zum einen muss eine gleiche Bezahlung von Frauen und Männern erfolgen und zum anderen müssen Frauen Aufstiegschancen in leitende Positionen ermöglicht werden. Die beiden Seiten bedingen sich dabei gegenseitig: Es benötigt fair bezahlte Frauen in Führungspositionen, die sich für einen Wandel in der Unternehmenskultur einsetzen. Damit können sie zum einen als Vorbild für andere Frauen fungieren, sich auch entgegen von Konventionen beruflich zu orientieren und zum anderen selbst Frauen einstellen und diese fair bezahlen. Es kann ebenfalls angenommen werden, dass weibliche Führungskräfte, die eine Familie gegründet haben, sich auch für eine verbesserte Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Unternehmen einsetzen. 

 

 

 


1 Die gesamte Studie ist hier zu finden. 

2 Den gesamten Report zum Nachlesen gibt es hier.

3 Das gesamte Interview gibt es hier.

 

Author

Noa Groicher

Noa Groicher studiert Politikwissenschaften an der Universität Potsdam.

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