Umweltschutz vs. Unternehmensmission: Teslas Gigafactory in Grünheide – uniClever.de
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Umweltschutz vs. Unternehmensmission: Teslas Gigafactory in Grünheide

Umweltschutz vs. Unternehmensmission: Teslas Gigafactory in Grünheide

 

Seit November 2019, als Elon Musk verkündete, dass in Grünheide eine Tesla-Gigafactory entstehen soll, steht die Baustelle im Fokus der Umweltschützer und Anwohner von Grünheide. Aufgrund von vorzeitigen Genehmigungen konnte der Bau der Fabrik schon im Februar 2020 beginnen und soll im Juli dieses Jahrs fertiggestellt werden. Doch der straffe Zeitplan wurde schon früh auf die Probe gestellt.1

Schon im Februar 2020 mussten die Bauarbeiten aufgrund von Klagen gegen die Rodung des Kiefernforst vorläufig gestoppt werden. Elon Musk wiederrum versprach eine Ersatzaufforstung, die bis jetzt nach Plan läuft. Hinzu kommt die Sorge der Anwohner der Gegend, dass durch Teslas Wasserbrauch, das Trinkwasser der Region knapp werden könnte. Nun droht der Weiterbau vor einer neuen Herausforderung zu stehen: der Naturschutzbund und das Netzwerk Ökologischer Bewegungen „Grüne Liga“ legen Widerspruch gegen die – mittlerweile neunte Voraberlaubnis sowie die provisorisch geplante Autobahnabfahrt – ein. Dies berichten einige Online-Zeitungen Februar. Grund dafür ist der Schutz der Schlingnattern, die in diesem Gebiet stark verbreitet sind.2

 

Auf der anderen Seite wird Tesla, nicht nur als bekanntester Autohersteller von Elektrofahrzeugen bejubelt, sondern gilt zudem als Vorreiter im Hinblick auf emissionsfreie Automobilität. Laut efahrer.com sollen rund 500.000 E-Autos pro Jahr in Grünheide produziert werden. Der Bau der Gigafactory schafft außerdem Arbeitsplätze in der Region und lässt den Wirtschaftsstandort Berlin-Brandenburg wachsen. Jörg Steinback, Brandenburgs Wirtschaftsminister, verriet in einem Interview, dass die Fabrik bis zu 40.000 Mitarbeiter*innen innerhalb der nächsten 10 Jahren beschäftigen könnte.3 Dennoch muss sich Tesla nicht nur vor Umweltschutzverbänden rechtfertigen. Auch die IG-Metall befürchtet eine Missachtung der Arbeitnehmerrechte durch den US-Unternehmen laut rbb24. Die Befürchtung vor einem „zweiten Amazon“ werden von Arbeitnehmerverbänden und Politikern geäußert.4Um den öffentlichen Diskurs zu befriedigen und besorgte Bürger zu beruhigen, eröffnete Tesla für eine geraume Zeit ein Bürgerbüro in der Gemeindeverwaltung in Grünheide. Im September 2020 trafen dann zum ersten Mal Tesla-Vertreter und Kritiker aufeinander, um Einwände, Fragen und Diskussionen rund um den geplanten Bau und die damit verbundene Fabrik, zu debattieren. Obwohl Corona bedingt eine eingeschränkte Personenanzahl teilnehmen durften, wurde acht Tage lang diskutiert.5 Allerdings scheint die Kontroverse rund um die Gigafabrik nicht abzuebben. Der Bau birgt Chancen und Risiken, die offen auf der Hand liegen. Dennoch schafft es Tesla erstaunlicherweise nicht, Kritiker zu besänftigen und Baumaßnahmen bzw. nachhaltige Projekte zu schaffen, die auch Umweltschützer beruhigen. Ob Rodung oder die Frage nach dem Naturschutz, man kann hoffen, dass die Erbauung der Gigafabrik eine nachhaltige Verbesserung der Lebensumstände für Mensch und Tier birgt und nicht nur aus Profitgier entsteht. Denn nicht jeder Zweck heiligt die Mittel. 

Quellen: 

manager magazin (2020). Tesla will für Fabrik in Grünheide mehr Wald rodenAvailable at: https://www.manager-magazin.de/unternehmen/autoindustrie/tesla-gigafactory-berlin-in-gruenheide-soll-eine-milliarde-euro-kosten-a-28d886cc-73a5-45a4-a648-34c9370a3789 [Accessed 20 Feb. 2021].

 

rbb24 (2021). Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Tierschutzes gegen Tesla. Available at: https://www.rbb24.de/studiofrankfurt/wirtschaft/tesla/2021/02/tesla-frankfurt-oder-staatsanwaltschaft-ermittlung-tierschutz-gruenheide.html [Accessed 20 Feb. 2021].

 

Stahl, T. (2020). 40.000 Arbeitsplätze: So fett wird Teslas Gigafactory in Brandenburg. Available at: https://efahrer.chip.de/news/40000-arbeitsplaetze-so-fett-wird-teslas-gigafactory-in-brandenburg_103061[Accessed 22 Feb. 2021]. 

 

Barnstorf, P. (2020). Tesla: Fluch oder Segen für regionalen Arbeitsmarkt? Available at: https://www.rbb24.de/studiofrankfurt/wirtschaft/tesla/2020/wirtschaftsfaktor-arbeitsmarkt-region-gruenheide-fabrik-analyse.html [Accessed 22 Feb. 2021].

 

Barnstorf, P. (2020). Was die Anwohner in Grünheide bewegt und was auf Tesla zukommen könnte.Available at: https://www.rbb24.de/studiofrankfurt/wirtschaft/tesla/2020/umweltverbaende-zu-tesla-eroerterung.html [Accessed 22 Feb. 2021].

Author

Leonie Bohle

Leonie Bohle studiert Politik, Verwaltung und Organisation an der Universität Potsdam.

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