Corona als Treiber der Digitalisierung in der Wirtschaft – uniClever.de
Digitalisierung

Corona als Treiber der Digitalisierung in der Wirtschaft

Corona als Treiber der Digitalisierung in der Wirtschaft

Seit November 2019, als Elon Musk verkündete, dass in Grünheide eine Tesla-Gigafactory entstehen soll, steht die Baustelle im Fokus der Umweltschützer und An Die durch Corona hervorgerufene Situation wurde im Jahr 2020 vermehrt zum Treiber der Digitalisierung in Unternehmen. Jedoch war nicht jedes Unternehmen bereit für den Schritt in die digitale Welt. Eine der häufigsten Herausforderungen für viele Unternehmen war die Geschwindigkeit, mit der lange etablierte Abläufe angepasst oder von Grund auf neugestaltet werden mussten.1

Die ungeplanten Maßnahmen zur Digitalisierung hat in vielen Unternehmen zu einem Denkanstoß geführt. Es entstanden und entstehen immer wieder neue und ungeahnte Zukunftsperspektiven für Mitarbeiter:erinnen und Unternehmen. So werden in fast allen Bereichen Arbeitsabläufe digitalisiert.2

Die Grundlage für die Digitalisierung der Arbeitsprozesse bilden unterschiedliche Plattformen und Tools durch die es möglich ist standortunabhängig und ohne persönlichen Kontakt die anstehenden Aufgaben zu erledigen. Die Präsenz der Mitarbeit:erinnen wurde durch Lösungen wie Kollaborations- Plattformen, Webinare und Videokonferenzen substituiert. Nicht nur die Kommunikation der Mitarbeit:erinnen wurde digitalisiert. Dank der Nutzung von robotergesteuerter Prozessautomatisierung (RPA engl. Robotic Process Automation), dem Einsatz von Software mit künstlicher Intelligenz, können ganze Prozessabläufe nicht nur digitalisiert, sondern auch automatisiert werden. Eine robuste und sichere Infrastruktur der IT-Systeme ist eine grundlegende Voraussetzung bei dem Einsatz von digitalen Tools und automatisierten Abläufen.

 

IT-Sicherheit in der Digitalisierung

Das verstärkte Arbeiten aus dem Homeoffice und die, durch Corona bedingte, beschleunigte Digitalisierung erhöht die Auslastung auf entsprechende IT-Strukturen und Plattformen. Deshalb warnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, dass sich die Gefahr von Angriffen auf die Systeme erhöht. Der Angriff auf den deutsche Medizintechnik-Konzern Fresenius ist nur ein Beispiel für steigende Cyber-Attacken. Eine entdeckte Schadsoftware schränkte vorübergehend den gesamten Zugriff auf IT- und Kommunikationseinrichtungen des Unternehmens ein. Für diesen Angriff kam eine sogenannte Snake-Ransomware zum Einsatz. Ransomeware ist eine Art von Maleware, die Dateien kidnappt. Der Angreifer verschlüsselt die Daten der Opfer und verlangt ein Lösegeld für einen privaten Schlüssel. Fresenius steht mit dem Angriff auf seine IT-Einrichtungen nicht allein da. Auch das Unternehmen Honda aus Japan ist Oper eines solchen Angriffs geworden. Bei dem japanischen Konzern kam es durch die Schadsoftware zum teilweisen Stopp der Produktion von Autos, Motorrädern und Rasenmähern. Ebenfalls betroffen waren interne Server, E-Mails und andere Dienste. Die Auswirkungen des Angriffes waren nicht nur in der Produktion zu spüren. Sondern auch deutlich spürbar im Verkauf der Entwicklung.4

Der Verlust von Geschäftsgeheimnissen ist für jedes Unternehmen schädlich. Gerade deshalb ist in Zeiten der wachsenden Digitalisierung ein angemessener Schutz sensibler Daten unverzichtbar. Während der letzten Monate ergaben sich diesbezüglich unterschiedliche Fragestellungen im Bereich organisatorischer und IT-technischer Maßnahmen. Entstehen durch veränderte Arbeitsmethoden zusätzliche Lücken in der Sicherheit? Ist es möglich Geräte, die außerhalb des Netzwerkes eines Unternehmens zum Einsatz kamen, wieder in die bestehende Struktur zu integrieren? Entstehen neue Risiken durch Bearbeiten von Daten auf unternehmensfremden Systemen?5

Die plötzlich aufgetretene Pandemie hat wieder deutlich gemacht, dass Krisen nicht vorausgesagt werden können. Anhand der gesammelten Erfahrungen aus den letzten Monaten ist es wichtig zu lernen und Maßnahmen abzuleiten. Die nicht nur zur Bewältigung der zurzeit bestehenden Herausforderungen helfen. Ebenfalls sollten sie dazu dienen vor der nächsten Krise zu schützen. Anhand entsprechender Maßnahmen und einem gestärkten Risikobewusstsein können hier die ersten Schritte erfolgen.6

Maßnahmen zur Erhöhung der IT-Sicherheit

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die gewährleisten, dass die IT-Sicherheit erhöht wird und die Gefahr von Angriffen vorbeugen. Hierzu zählen unter anderem Cyber Health Checks und IT Security Audits. Anhand dieser Maßnahmen ist es möglich bestehende Sicherheitslücken im System ausfindig zu machen und sie zu beheben. Durch einen sogenannten Penetrationstest, bei dem ein Cyberangriff simuliert wird, dient dazu Schwachstellen der IT-Struktur zu entdecken und zu schließen, bevor Kriminelle darauf stoßen. IT-Sicherheitslücken sind nicht die einzige Schwachstelle im System. Spielraum für kriminelle Aktivitäten kann auch durch Mangel an Wissen oder schlicht durch menschliches Versagen entstehen. An dieser Stelle kommen die klassischen Phishing Mails zum Einsatz. Es werden E-Mails mit Links versendet, die beim Öffnen des Links eine Schadsoftware verbreiten und Daten von dem infizierten System stehlen. Durch Schulungen der Mitarbeit:erinnen im Bereich IT-Sicherheit und Cyberkriminalität ist es möglich sie gegenüber dieser Gefahren zu sensibilisieren.7

Investitionen in die Digitalisierung

Nicht alle Unternehmen sind in der Lage gleichermaßen in ihre Vorhaben bei der Digitalisierung zu investieren. So besteht die Gefahr, dass die digitale Spaltung in der Wirtschaft weiter steigt. Durch eine, des Digitalverbands Bitkom, durchgeführte repräsentative Umfrage unter 605 Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeit:erinnen kamen sie zu diesem Ergebnis:„Die Corona-Pandemie ist eindeutig ein Digitalisierungstreiber für die deutsche Wirtschaft. Die gute Nachricht ist: Die Unternehmen wollen etwas tun und die Digitalisierung vorantreiben. Die schlechte Nachricht: Längst nicht alle sind dazu in der Lage“, interpretiert Achim Berg die Ergebnisse der Umfrage.8

Krisenbewältigung durch Digitalisierung

Laut der Umfrage geben 84% der Unternehmen an, dass der Stellenwert digitaler Arbeitssysteme für das eigene Unternehmen stark gewachsen ist. Für die gesamte Wirtschaft liegt der Prozentsatz sogar bei 86% der befragten Unternehmen. Das die Digitalisierung für das eigene Unternehmen an Bedeutung verloren hat, nimmt niemand aus der Umfrage an. Im April 2020 gaben 90% der Unternehmen an die Digitalisierung durchaus als Chance zusehen. Im November 2020 stieg der Prozentsatz sogar auf eine Rekordhöhe von 97%.Unter den befragten Unternehmen, kamen sieben von zehn zu dem Schluss, dass Unternehmen, die bereits vor der Krise in ihre Digitalisierung investiert haben, besser durch die Krise kommen werden. 54% der befragten Unternehmen gaben an, dass die Umstellung auf digitale Arbeitssysteme ihnen dabei hilft durch die Krise zu kommen. „Unternehmen lassen sich über Corona hinaus gegen Krisen immunisieren, indem sie konsequent digital aufgestellt werden“, so Berg.9

Insolvenz durch Corona

Nach eigenen Angaben hat die Corona-Krise einen negativen Einfluss auf die Wirtschaft. So sagen 69% der Unternehmen, dass sie bisher „sehr schlecht“ (40%) und „eher schlecht“ (29%) durch mit den Folgen der Krise klarkommen. Wiederum geben nur 29% an, dass sie „eher gut“ (20%) und „sehr gut“ (29%) durch die Krise kommen. Die Erwartungen bei sechs von zehn Unternehmen tendieren dazu, dass sie aus der Krise geschwächt hervorgehen.Das Unternehmen gestärkt aus der Krise hervorgehen, wird von nur 11% erwartet. Ein Drittel der befragten Unternehmen sieht hier die Gefahr als unmittelbare Folge der Krise Insolvenz anmelden zu müssen.10

Vorreiter bei der Digitalisierung

Der Stand der Digitalisierung im eigenen Unternehmen wird seit Ausbruch der Krise mit anderen Augen gesehen. Der verstärkte Einsatz von digitalen Lösungen führte dazu den Stand im eigenen Unternehmen kritischer zu betrachten. Zurzeit sehen sich nur noch knapp ein Viertel (27%) der befragten Unternehmen als Wegbereiter der Digitalisierung. Lag der Prozentsatz im April 2020 noch bei 36% und 2019 sogar bei 39%. Als Nachzügler im Bereich Digitalisierung sehen sich inzwischen 71% der Unternehmen. Vergleicht man diesen Wert mit dem aus dem April 2020 (60%) oder aus dem Jahr 2019 (55%) fällt auf, dass das Potenzial der Digitalisierung vor der Krise nicht korrekt eingeschätzt wurde. In Schulnoten ausgedrückt geben die Manager ihren Unternehmen im Durchschnitt nur ein befriedigend (Note 3,4). „Beim Blick auf die Digitalisierung gibt es viel Selbstkritik. Daraus darf jetzt aber auf keinen Fall Resignation folgen, wir müssen an die Arbeit gehen“, so die Aussage von Achim Berg. Allgemein wird ein Innovationschub erwartet. Das durch die Krise die Digitalisierung weiter vorangetrieben wird, erwarten 54% der Unternehmen.11

Maßnahmen zur Digitalisierung

In den Bereichen Technologie, Mitarbeitern und Geschäftsprozessen werden die meisten Maßnahmen zur Digitalisierung umgesetzt. Durch den Erwerb neuer Softwarelösungen, neuer Hardware wie Smartphones und Laptops, sowie Investitionen in die digitale Infrastruktur wie Intranet oder VPN-Zugänge werden die Maßnahmen realisiert.12

Videokonferenzen werden seit Beginn der Pandemie vermehrt eingesetzt oder es gibt Planungen diesbezüglich. Kollaborationstools wie Microsoft Teams, Zoom oder Slack kommen hier zum Einsatz. Der Bedarf an Beratungsleistungen zur Digitalisierung sind in den letzten Monaten deutlich gestiegen. So setzen viele Unternehmen inzwischen auf digitale Dokumente anstatt auf Papier und arbeiten mit Lösungen, die es ermöglichen Dokumente digital zu signieren. Die Zahl der Mitarbeiter, die seit Beginn der Krise, aus dem Homeoffice arbeiten ist hoch wie nie zuvor. Ebenso so die Investitionen in digitale Weiterbildungen haben sich deutlich erhöht oder es gibt Planungen dahingehend. Es wurden sogar Mitarbeiterevents wie Weihnachtsfeiern digitalisiert.13

„Alle befragten Unternehmen haben irgendetwas unternommen, um selbst digitaler zu werden. Erfolg entsteht aus einer Kombination von der Einführung neuer Technologien, der Digitalisierung der eigenen Prozesse und insbesondere der Qualifizierung der Mitarbeiter“, ist Berg überzeugt.14Zu den priorisierten Zielen aller Maßnahmen sind der Bitkom Studie nach, während der Krise die Arbeitsfähigkeit des Unternehmens sicherzustellen und besser aufgestellt zu sein für eine nächste Krise. Die Krise wird außerdem dazu genutzt, versäumte Maßnahmen in der Digitalisierung aufzuholen. Um neue Geschäftsfelder zu erschließen, planen ca. 46% der Befragten das eigene Unternehmen nachhaltig zu digitalisieren.15

Hindernisse bei Digitalisierungsmaßnahmen

Mit 69% liegt das größte Hindernis für Unternehmen ganz klar beim Schutz der sensiblen Daten. Mit 58% folgen darauf die unterschiedlichen Anforderungen an die technische Sicherheit der Systeme, sowie der Mangel an qualifizierten Fachkräften mit 55%. Vergleicht man die Aussagen der aktuellen Studie mit Angaben aus früheren Umfragen, lagen die Hindernisse zurzeit meist bei fehlenden finanziellen Mitteln. Im April 2020 waren es 25% und im Jahr 2019 sogar nur 20%. Im Laufe des Jahres 2020 stieg der Prozentsatz auf 43 der befragten Unternehmen an. Unverändert blieb der Faktor Zeit, der Prozentsatz blieb bei 33. Die fehlende Verfügbarkeit von Lösungen, die den Anforderungen der Unternehmen gerecht werden, wurde von 30% angegeben. „In vielen Bereichen, etwa zur Kollaboration oder für Videokonferenzen gibt es eine Vielzahl sofort einsatzfähiger Lösungen. Wer aber zum Beispiel eine Messe aus der analogen Welt in die digitale überführen will, stellt fest, dass es in einigen Bereichen an wirklich breit nutzbaren digitalen Anwendungen fehlt. Hier bietet sich innovativen Anbietern ein neuer, großer Markt.“ So die Aussage von Berg.16

Abschließend kann man sagen, dass Corona definitiv ein Treiber der Digitalisierung war und immer noch ist. Für viele Unternehmen wurden bis dahin nicht gekannte Möglichkeiten, zu einer neuen Art des Arbeitens. Die Herausforderungen der Digitalisierung sind dabei nicht unbekannt. Jedoch waren sie vielen nicht bewusst, da das eigene Unternehmen kaum bis gar nicht auf digitale Strukturen zurück griff. Durch die vermehrte Nutzung digitaler Systeme ist die Cyber Sicherheit in den letzten Monaten immer mehr in den Vordergrund gekommen und wird in den nächsten Jahren noch an Bedeutung zu legen. Wovon ausgegangen werden kann, ist, dass in den nächsten Jahren die Innovation im Bereich digitaler Strukturen weiter vorangetrieben wird. Wir dürfen uns auf weitere spannende Ideen freuen, die das private und berufliche Leben in der digitalen Welt ermöglicht und vereinfacht.17

 

Quellen:


1,2,3,4,5,6,7Warth & Klein Grant Thornton AG (2020): Covid-19 als Treiber der Digitalisierung. Online: https://www.wkgt.com/themen/Treiber-der-Digitalisierung/ (zuletzt aufgerufen: 10.04.21)

8,9,10,11Digital Business Cloud (2020): Digitalisierung in der Corona-Pandemie: Nicht alle Unternehmen können mithalten. Online: https://www.digitalbusiness-cloud.de/digitalisierung-in-der-corona-pandemie-nicht-alle-unternehmen-koennen-mithalten/ (zuletzt aufgerufen 10.04.2021)

12,13,14,15,16Digital Business Cloud (2020): Digitalisierung in der Corona-Pandemie: Nicht alle Unternehmen können mithalten. Online: https://www.digitalbusiness-cloud.de/digitalisierung-in-der-corona-pandemie-nicht-alle-unternehmen-koennen-mithalten/ (zuletzt aufgerufen 10.04.2021)

 

  

Author

Timo König

Timo König studiert Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Maschinenbau an der Beuth Hochschule in Berlin.

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