Ehrenamt im Studium – Ein erfüllendes Hobby oder viel Amt mit wenig Ehre – uniClever.de
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Ehrenamt im Studium – Ein erfüllendes Hobby oder viel Amt mit wenig Ehre

Ehrenamt im Studium – Ein erfüllendes Hobby oder viel Amt mit wenig Ehre

Beim Begriff Ehrenamt denke ich an den Kreisligafußballtrainer, der nach Feierabend und am Wochenende immer nur an einem Ort zu finden ist: Dem Fußballplatz! Oder an freiwillige Feuerwehrleute, die schon regelrecht mit ihrem Piepser verwachsen sind. Sie alle haben gemeinsam, dass Sie sich mit großer Leidenschaft und unter viel Zeitaufwand für ihr Amt einsetzen. Wilhelm Busch hat einmal ein zugegeben ziemlich spöttisches Gedicht zu diesem Thema geschrieben. 

 

Willst du froh und glücklich leben,

laß kein Ehrenamt dir geben!

Willst du nicht zu früh ins Grab

Lehne jedes Amt gleich ab!

 

Sicher hat er damit nicht ganz unrecht. Es ist unbestritten bequemer auf dem Sofa sitzen zu bleiben, sich dem Netflix-Algorithmus vollständig zu unterwerfen und sich von diesem von einer mittelmäßigen Serie zur nächsten leiten zu lassen, als bei Regen, Schnee und Hagel die hochpubertäre, örtliche C-Jugend über einen matschigen Bolzplatz zu hetzen. Oder weniger drastisch gesprochen: Man könnte sein „gesellschaftliches Engagement“ auch darauf beschränken den Mitgliedsbeitrag für den Sportverein nach der fünften Erinnerung durch den Kassenwart doch noch zu überweisen und maximal einmal im Jahr zur Mitgliedervollversammlung zu erscheinen. Dort könnte man sich dann ganz bequem über die Geschehnisse der letzten Monate ins Bilde setzen lassen und die Arbeit der aktiven Mitglieder und Vorstände kritisieren. Nicht gerade ein prickelndes Erlebnis für einen Vereinsvorstand, der zahlreiche Stunden für Vorstandssitzungen, die Sponsorensuche und die Organisation des Sommerfests aufgewendet hat. 

 

Was also motiviert Menschen dazu sich ehrenamtlich zu engagieren und sich aktiv für Andere einzusetzen? Und warum ist gerade das Studium eine gute Zeit für ehrenamtliches Engagement?

 

1.) Durch ehrenamtliches Engagement findest du leichter Anschluss und lernst schnell neue Leute kennen 

Gerade wenn man neu an der Uni oder in der Stadt ist, ist ein Ehrenamt in einem studentischen Verein, einer Hochschulgruppe oder der Fachschaft eine gute Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen. Wirklich ankommen kann man am Studienort schließlich erst, wenn man Anschluss gefunden hat. Spaß im Studium setzt auch voraus, dass man Freunde findet, mit denen man etwas unternehmen und das Studentenleben genießen kann. Durch das gemeinsame Engagement für das gleiche Ziel lernt man sich recht schnell sehr gut kennen und auch die zahlreichen vereinsinternen Veranstaltungen versprechen eine gelungene Studienzeit.

 

2.) Ehrenamtliches Engagement ermöglicht dir schon während dem Studium wertvolle Praxiserfahrung sammeln und die eigenen Talente zu entdecken  


Außerdem spricht für ehrenamtliches Engagement im Studium, dass man so der trockenen Theorie, der man in Vorlesungen, Seminaren und Tutorien zwangsläufig ausgesetzt ist, entkommen kann. Die Ehrenamtliche Arbeit setzt nicht voraus, dass man sich erst einmal durch ein hunderte Seiten umfassendes Skript quält, sondern es gilt das Prinzip „learning-by-doing“. Bei Schwierigkeiten oder Fragen ist man jedoch nicht allein, sondern kann auf die Unterstützung der anderen Vereinsmitglieder zählen. So kann man durch sein Engagement zum Beispiel an den eigenen Fähigkeiten im Projektmanagement oder im Bereich der Veranstaltungsorganisation feilen. Ehrenamtliches Engagement bietet die Möglichkeit sich auszuprobieren und herauszufinden, wo die eigenen Stärken liegen. Man könnte die Vereinsarbeit also auch als „Spielwiese“ ansehen, auf der man versuchen kann, eigene Ideen abseits des Erfolgsdrucks der Arbeitswelt umzusetzen. Wenn ein ehrenamtliches Projekt mal nicht ganz so läuft wie geplant oder scheitert, ist es schließlich in den meisten Fällen kein Weltuntergang.


3.) Durch das Engagement wächst man auch persönlich


Ganz nebenbei entwickelt man sich durch das ehrenamtliche Engagement auch persönlich weiter. Durch die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Charakteren lernt man Verantwortung zu übernehmen, im Team zu arbeiten, tolerant auf andere Menschen zuzugehen und mit verschiedenen Persönlichkeiten umzugehen. Diese Erfahrungen und Fähigkeiten, sind in allen Lebenslagen ein Gewinn und machen sich nebenbei auch gut bei Bewerbungen.


4.)Ehrenamtliches Engagement macht glücklich


Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass der selbstlose Einsatz für Andere oder einen Guten Zweck auch dem Helfenden selbst zugutekommt. Es macht glücklich und stolz zu sehen, dass man durch sein Handeln Anderen etwas Gutes tun und etwas zum positiven Verändern konnte. Zudem arbeitet man gerade im Studium viel für sich allein und oft bekommt man über lange Strecken hinweg keine Rückmeldung zu seinen Bemühungen. Deshalb ist der Motivationsschub, wenn man erfolgreich ein Projekt abgeschlossen hat und ein gutes Feedback dafür bekommt umso wichtiger, um auch im Studium durchzuhalten. Ehrenamtliches Engagement trägt so zu einer positiven Lebenseinstellung bei.

Author

Stephanie Wolf

Stephanie Wolf studiert Politikwissenschaften im Master an der Universität Potsdam.

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